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Vielfältige Aufgaben, große Verantwortung: Krankenhaushygiene am Ortenau Klinikum

Das Thema Krankenhaushygiene ist über die letzten Jahre immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Ansprechpartner am Ortenau Klinikum ist Dr. Andreas Christian Schröder. Der leitende Krankenhaushygieniker und Chefarzt der Klinikhygiene weiß: Würde in diesem Bereich etwas schiefgehen, wären vor allem die Patienten die Leidtragenden. Im Interview berichtet er von seinem abwechslungsreichen Arbeitsalltag, der Verantwortung der Hygienefachkräfte sowie Tipps für Patienten und Mitarbeiter.

Gute Hygiene kann nur durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten gelebt werden.

Dr. Andreas Christian Schröder

Wie gestaltet sich Ihr Arbeitsalltag als Chefarzt der Klinikhygiene und Leitender Krankenhaushygieniker? 

Das Aufgabengebiet der Klinikhygiene ist sehr breit gefächert. Die Bereiche, in denen wir beraten, erstrecken sich von der Bau-Hygiene über Wäsche, Küche und Reinigung bis hin zu klinischen Fragestellungen auf Station und im OP. Genau das macht mir aber daran auch Spaß. So kann es sein, dass ich an ein und demselben Tag an der Planung eines Umbaus beteiligt bin, danach einer Stationsbegehung beiwohne und zusätzlich telefonisch berate, ob der Träger eines bestimmten Keims isoliert werden muss oder nicht. Auch, wenn ich natürlich viel Zeit an Computer und Telefon verbringe, versuche ich, so oft wie möglich in den Betriebsstellen vor Ort zu sein. Die meisten meiner Tätigkeiten sind nicht von langer Hand geplant, sondern eher Reaktionen auf die Situationen, die unser Klinikum täglich neu bietet. Von einem typischen Arbeitsalltag kann man daher in der Hygiene selten sprechen.

Wie wichtig ist das Thema Hygiene am Ortenau Klinikum? 

Die Aufgabe der Klinikhygiene besteht häufig darin, gesetzliche Vorgaben auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen und darauf zu achten, ob sie nach der Umsetzung geschult und eingehalten werden. Jährlich kommen bundesweit viel zu viele Patienten aufgrund von Hygienefehlern zu Schaden. Diese sind die Haupt-Leidtragenden, wenn das Thema nicht ausreichend Beachtung findet. Unterstützt von der Geschäftsführung wird der Bereich Hygiene im Ortenau Klinikum jedoch sehr ernst genommen. Im Gegensatz zu vielen anderen Kliniken sind wir personell gut ausgestattet. Die rege Teilnahme an unseren Schulungen und der tägliche Austausch zeigen, dass unsere Mitarbeiter sich intensiv mit dem Aspekt Hygiene auseinandersetzen.

Wie viele Hygienefachkräfte gibt es am Ortenau Klinikum? Was sind deren Aufgaben an den einzelnen Betriebsstellen des Klinikums?

Aktuell werden in allen Betriebsstellen 12,9 Stellen von 17 Hygienefachkräften besetzt.Hygienefachkräfte sind Mitarbeiter des Instituts für Klinikhygiene. Im klinischen Alltag sind sie zentrale Ansprechpartner für alle Berufsgruppen und tragen damit vorwiegend im pflegerischen Bereich zur Umsetzung infektionspräventiver Maßnahmen bei. Sie vermitteln die Maßnahmen und Inhalte von Hygieneplänen, wirken bei deren Erstellung mit und kontrollieren die Umsetzung empfohlener Hygienemaßnahmen. Außerdem führen sie hygienisch-mikrobiologische Umgebungsuntersuchungen durch. Auch bei der Erfassung und Bewertung von Erregern mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen oder nosokomialen Infektionen wirken sie mit. Letzteres sind Infektionen, die im Zuge eines Aufenthalts im Krankenhaus auftreten. Die Hygienefachkräfte helfen auch bei der Aufklärung und dem Management von Infektions-Ausbrüchen mit. Die Aufgaben sind also, wie Sie sehen, sehr vielfältig und breit gefächert. Voraussetzung für diesen Beruf ist eine mindestens 3-jährige Erfahrung als examinierte Pflegekraft, auf die eine anspruchsvolle Weiterbildung mit staatlicher Prüfung folgt. 

Die Fachabteilungen des Ortenau Klinikums verfügen über hygienebeauftrage Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegerinnen und Pfleger. Haben diese andere Aufgaben inne als die Hygienefachkräfte? Welche sind das?

Wie Sie schon sagen, sind die „beauftragten“ Personen Mitarbeiter der jeweiligen bettenführenden Abteilungen. Sie sind Ansprechpersonen, Multiplikatoren und unterstützen das Hygienefachpersonal in dessen Verantwortungsbereichen. Sie wirken bei der Einhaltung der Regeln der Hygiene und Infektionsprävention mit und regen Verbesserungen der Hygienepläne und Funktionsabläufe an. Besonders wichtig wird ihre Rolle im Fall eines Ausbruchs, da sie ständig am Ort des Geschehens sind.

Wie kann das Thema Hygiene allen Beteiligten immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden?

Immer wieder stelle ich fest, dass es wichtig ist zu erklären, worin der Hintergrund bestimmter Hygiene-Regeln liegt. Einfach nur zu verbieten, bei der Arbeit Nagellack zu tragen, ist für eine Mitarbeiterin eine unangenehme Einschränkung. Wenn man ihr aber erklärt, dass dieser Lack unter dem Mikroskop gar nicht so glatt ist, wie er wirkt, so dass sich hier Bakterien verstecken können – und dass sich Bakterien zudem noch von den Bestandteilen in diesem Lack ernähren können – dann sollte klar werden, warum Nagellack im Kontakt mit Patienten nicht sinnvoll ist. Solche Informationen können im persönlichen Gespräch, in Teambesprechungen oder großen Fortbildungen vermittelt werden. Wichtig ist dabei, das Thema „Hygiene“ immer wieder präsent zu halten.

Welche Tipps und Hinweise möchten Sie Patientinnen und Patienten in Sachen Hygiene geben?

Für Patienten ist es sehr schwer, Hygiene-Risiken richtig einzuschätzen. Dazu kommt, dass durch reißerische Berichterstattung in der Vergangenheit sehr viel Verunsicherung verursacht wurde. Deswegen ist es wichtig, Dinge, die unklar sind, anzusprechen. Meistens lässt sich dadurch viel aus der Welt schaffen, und damit das Vertrauen, das Patient und Behandler brauchen, verbessern. Besucher, die ins Krankenhaus kommen, sollten vorher sicher sein, dass sie selber keine ansteckenden Erkrankungen mitbringen. Eine Grippe-Welle kann hier verehrende Wirkungen entfachen.

Gibt es weitere Aspekte, die Sie in Bezug auf das Thema Hygiene hervorheben möchten?

Gute Hygiene kann nur durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten gelebt werden. Ohne das gute Verhältnis zu den klinisch tätigen Abteilungen, zu Arbeitssicherheit, Betriebsmedizin, Bau-, Haus- und Medizintechnik, aber auch zum Reinigungsdienst und zu den verschiedenen Verwaltungsorganen wären wir verloren.   

Unserem Team der Klinikhygiene ist es wichtig, dass wir als Hilfe gesehen und in Anspruch genommen werden – nicht als Polizei-Staffel. Wie mein Vorgänger Dr. Auer schon sagte: „Auch wenn Sie’s nicht vermuten, wir sind die Guten!“


Ihr Institut für Klinikhygiene

Dr. Andreas Christian Schröder
Weingartenstr. 70
77654 Offenburg
Tel. 0781 472-8150
E-Mail: hygiene.og@ortenau-klinikum.de  

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.